Das Erdmännchen und der Raketenbauer
Es war einmal im Ingermannland, das ist dort, wo Schweden am dicksten
ist, in einem Walde, den die Einheimischen nur Sloegenkoegen nannten.
Das aber ist schwedisch und bedeutet soviel wie Hengenbengen, denn
Sloegen meint Hengen und Koegen Bengen. In diesem Walde nun lebte ein
alter Raketenbauer, dessen Name Milne Pudersen lautete, Milne nach
einem Onkel mütterlicherseits und Pudersen nach Milne, und dessen
ganzer Ehrgeiz war darauf gerichtet, einmal eine Rakete zu bauen, die
so hoch sein sollte wie der Kirchturm zu Heckerupp, der aber maß ganze
sieben Meter.
Doch wie immer er es anstellte, stets scheiterten seine Versuche. Mit
der ersten Stufe ging es noch soso, doch wenn er versuchte, die zweite
oder gar die dritte Stufe auf die erste zu stellen, dann fiel der
ganze Segen um, und um ein Haar wäre unser Milne schon mehrmals seiner
eigenen herabstürzenden Rakete erschlagen worden. Doch als er wieder
einmal neben den Trümmern seiner Rakete saß, da öffnete sich die Erde
ein klein wenig, und ein Erdmännchen schaute heraus.
"Hallo, Erdmännchen," sagte der Milne.
"Hallo Milne!" entgegnete das Erdmännchen und fuhr fort: "Ich weiß,
daß du fromm und gottesfürchtig bist, und deswegen habe ich jetzt drei
Wünsche frei."
"Entschuldige, liebes Erdmännchen," sagte da der Milne, "Wolltest du
nicht vielmehr sagen, daß ich drei Wünsche frei habe?"
Und das hatte das Erdmännchen in der Tat sagen wollen, doch, da es von
halsstarriger Natur war und ums Verrecken nicht zugeben mochte, einen
Fehler begangen zu haben, schrie es: "Wer hier drei Wünsche frei hat,
bestimme immer noch ich!" Und mit diesen Worten krabbelte es ins
Erdreich zurück, wo es sich, da es ja nun drei Wünsche frei hatte,
dreierlei wünschte: ein Erdfrauchen, ein Erdbeben und den spanischen
Königsthron.
Jahre später jedoch, als das Erdmännchen schon längst unter dem Namen
Juan Carlos auf dem spanischen Königsthron saß und sich an seiner
bildschönen Ehefrau weidete, da meldete ihm sein Ministerpräsident,
daß ein Erdbeben das Ingermannland erschüttert und dabei auch ein
Todesopfer gefordert habe, einen Raketenbauer, dem die eigene,
umstürzende Rakete zum Verhängnis geworden sei.
Als das Erdmännchen diese Botschaft hörte, da bereute es bitterlich,
damals so halsstarrig gewesen zu sein, insgeheim aber intensivierte es
das spanische Raumfahrtprogramm.
Und als die erste spanische Rakete ins Weltall hinaufstieg, da trug
sie den Namen "Milne Pudersen". Das rief bei allen, die davon hörten,
viel Rätselraten hervor, doch ihr, liebe Kinder, ihr wißt nun, wie es
um diesen Namen bestellt ist, nicht wahr? Na fein.
Und nun trinkt euer Bierchen aus, denn morgen könnt es sauer sein,
hängt eure Zähne in den Spind und schlaft in Gottes Namen ein.
(Gernhardt)
Da Didi
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Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://bruhaha.de
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